Case Study Bosch: Co-Creation, wohin das Auge reicht.
„Sie als Anwender wissen am besten, was Ihnen fehlt oder was verbessert werden sollte.“ Mit diesen Worten bittet der Weltmarktführer für Elektrogeräte seine Kunden um Hilfe bei der Produktentwicklung – auf einem eigens dafür eingerichteten Innovationsportal. Überhaupt sind Ideen innerhalb der gesamten Bosch-Gruppe hochbegehrt.
Bohren, Schleifen und Sägen erzeugt Dreck. Zwar gibt es Systeme zum Absaugen des Staubs, aber diese könnten deutlich brauchbarer sein. Also ruft Bosch Power Tools seine Kunden auf, sich etwas einfallen zu lassen. Gesucht sind außerdem jegliche Ideen, Konzepte oder Patente, mit denen sich einzelne Geräte oder Zubehör verbessern lassen.
Eingerichtet wurde das Bosch Power Tools Innovationsportal im Spätsommer 2008, um die rund 3.000 konstruktiven Anregungen, die pro Jahr telefonisch bei Bosch eingingen, besser zu kanalisieren und systematisch auszuwerten. Gleich der Begrüßungstext stellt das Wichtigste klar: Sämtliche Rechte an einer Idee bleiben während des Prüfungsprozesses beim Urheber. Ein Innovationsteam schaut, ob die eingereichten Ideen neu, relevant für den Markt und technisch realisierbar sind, und verteilt sie zur näheren Prüfung an Fachexperten.
Für Bosch Power Tools ist das Innovationsportal eine logische Konsequenz aus dem erklärten Anspruch des Elektrogeräteherstellers, mit seinen Produkten stets die Wünsche und Anforderungen der Anwender zu erfüllen.
Während nach dem optimalen Absaugsystem weltweit gefahndet wird, handhabt Bosch das Thema Innnovation grundsätzlich dezentral.
Wissen Sie vielleicht die Lösung?
So gibt es für die Marke Dremel ein eigenes Innovationsportal (eine Unterseite des internationalen Power Tools Innovation Portal). Dort sucht das zuständige Dremel Innovationsteam nach einer Lösung für einen Schneideaufsatz zu dem Multifunktionsgerät. Das Wechseln eines Schleifaufsatzes geht neuerdings mit der EZ Lock-Funktion schneller – die Idee für diese Produktneuheit stammt von einem Anwender aus Wisconsin, berichtete der Bosch-Innovationsmanager Peter Neumann auf einer Konferenz.
Zu wissen, was die Kunden bewegt, ist für Bosch offenbar wertvoll – Online-Angebote wie die Heimwerker-Community 1-2-do, die Profi-Community Bob oder auch die Umfragen in der Dremel-Community sind der Beweis.
Wenn es innovativ ist, dann sind wir dabei!
Was für die Elektrogeräte gilt, trifft auf die ganze Bosch-Gruppezu.
Lieferanten sind mit innovativen Produkten, Prozessen und Verfahren beim Advanced Purchasing an der richtigen Adresse. Auch hier wird das Thema Vertrauensvorschuss großgeschrieben, unter Berufung auf den Firmengründer, an dessen Stelle nun die Einkäufer das Gespräch anbieten: „… voller Fairness und Respekt gegenüber Ihrem geistigen Eigentum. Ganz so, wie Robert Bosch es getan hätte. Von Erfinder zu Erfinder.“
Was das interne Ideenmanagement angeht, ist Filtern und Priorisieren eine Hauptaufgabe, erklärt Peter Neumann in seinem Vortrag auf einer BOF-Konferenz. Denn mehr als 300.000 Mitarbeiter an knapp 260 Standorten in 50 Ländern produzieren eine Riesenmenge an Ideen. Damit diejenigen mit Potenzial gleich erkannt werden, gibt es „Babysitter“ für jedes Produkt, so der regionale Koordinator für Innovation im Produktbereich Elektrowerkzeuge.
Innovationshemmende Prozesse und Strukturen packt Bosch beherzt an, wie Terry Griffith von der Santa-Clara-Universität auf GigaOm voller Anerkennung berichtet. So wurden die Callcenter-Agenten aufgerufen, Verbesserungsvorschläge einzubringen. Aber bekanntlich stehen die professionellen Vieltelefonierer unter Quotendruck, was das ehrenamtliche Optimieren eher unattraktiv macht. Als dieser Widerspruch zutage trat, gab es Meeting, in dem die Manager auf den Stellenwert der Innovation bei Bosch hingewiesen wurden. Sie wurden gebeten, das Thema doch künftig als Teil der Strategie einzukalkulieren.
Social Software für blitzgescheite Ideen
Die technische Grundlage für das Innovationsmanagement der Bosch-Gruppe bildet seit 2007 die Software von Brightidea. Der Service des Marktführers für „cloud-basiertes Enterprise Innovation Management“ besteht aus verschiedenen Modulen zur Organisation des gesamten Innovationsprozesses.
Das Modul Webstorm benutzt Bosch sowohl intern als auch extern für Ideensuche und Ideenmanagement – mit dem Effekt, dass erfinderische Kunden schon nach viel kürzerer Zeit eine Rückmeldung bekommen. Switchboard dient dem Aussortieren und Verfeinern von Ideen zu Entscheidungsvorlagen und Pipeline hilft beim Projektmanagement einschließlich der Kosten-Nutzen-Abwägung.
It’s all about ideas
„Ganz normal innovativ“ ist Bosch ohnehin: Da gibt es den Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung mit mehr als 1.300 Spezialisten, die weltweit an technologischen Durchbrüchen, zum Beispiel in der Softwareentwicklung, in der Robotik oder im Motormanagement forschen. Die Zahl der insgesamt forschenden Mitarbeiter wird mit 34.000 angegeben.
Eine Lizenzabteilung befasst sich mit Patenten und Neuerungen, die bei Bosch gefertigt oder dort verwertet werden sollen. Strategische Innovation durch Beteiligung an Start-ups betreibt wiederum die Robert Bosch Venture Capital GmbH, die übrigens auch branchenübergreifend nach Services, Geschäftsmodellen, Technologien und neuen Materialien Ausschau hält.
Da ist es kein Wunder, dass Bosch in der Studie „Imageprofile 2012“ des Manager Magazins als Sieger der Industriegüterbranche hervorging – mit besonders guten Noten in der Imagekategorie „Innovationskraft“.
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