Einfach kurz hinkleben: Geburt einer genialen Gedächtnisstütze
„Team-Meeting planen“, Frau Dr. Benner anrufen“, „Blumen bestellen“ oder – unzählige, auf gar keinen Fall zu vergessende Termine und brandeilige Aufgaben haben schon auf Post-its gestanden. Die Kühlschranknotiz „Hab noch einen schönen Tag!“ markierte den Anfang von Beziehungen. Diebe profitierten davon, dass sie Zettel mit Passwörtern einfach von der Unterseite der Schreibtischplatte pflücken konnten. Die Haftnotiz Post-it von 3M hat wirklich die Welt verändert – und dabei war dies gar nicht abzusehen.
Die Entstehungsgeschichte der Haftnotizen fasziniert bis heute: Sie findet sich in Blogs für Erfinder und Führungskräfte – und inspiriert sogar zu filmischen Glückwünschen. In einem Interview für die Financial Times erzählen Art Fry und Spencer Silver, wie 1968 alles begann.
Damals sondierte der Chemiker Dr. Spencer Silver in einem Team bei 3M das Thema Haftmittel. Bei einem Versuch kam eine neue Art von Substanz heraus, mit der er weiter experimentierte. Silver hatte zwar noch keine Idee für deren Verwendung, war jedoch von ihrer Einzigartigkeit überzeugt. Also präsentierte er die Entdeckung anderen Produktentwicklern im Unternehmen, damit ihnen vielleicht etwas einfiele.
Geduld ist eine kreative Tugend
Ein anderer Wissenschaftler, Art Fry, nahm an einer solchen Präsentation teil und speicherte das Gehörte in seinem Gedächtnis ab. Als dem passionierten Chorsänger drei Jahre später zum x-ten Mal sein Lesezeichen aus dem Gesangsbuch rutschte, erinnerte er sich daran. Er holte sich von Spencer Silver eine Probe des Haftmittels und trug es auf ein Stück Papier auf. Sein Lesezeichen kam zwar bei internen Tests ganz gut an, war aber kein echter Hit.
Erst als er eines Tages einen Bericht mit einem seiner Zettel garnierte und sein Vorgesetzter die darauf geschriebene Frage ebendort beantwortete, durchfuhr es ihn: Eine Haftnotiz! Das war es!
Virales Marketing der Siebziger
Wie genial die neuen Haftnotizen waren, erfuhren als erstes die Einwohner einer Kleinstadt im Mittleren Westen. Die dort 1978 im Rahmen eines Tests gratis verteilten Post-it-Blöcke gingen weg wie warme Semmeln, und 95 Prozent der Benutzer gaben an, diese gerne zu kaufen, wenn sie denn erhältlich seien. Von da an war der Siegeszug des neuen Starprodukts von 3M nicht mehr aufzuhalten. 1980 war es in den ganzen USA zu bekommen, ein Jahr später in Kanada und Europa, heute werden Post-its in 150 Ländern der Welt verkauft.
Inzwischen haben die Forscher bei 3M aus dem klassischen Klebezettel über 1.000 Post-it-Varianten und viele andere Produkte abgeleitet.
Gebrauchsartikel für alle Lebenslagen
Ein Ende der Verwendungsmöglichkeiten für die unglaublich praktische Erinnerungshilfe ist nicht abzusehen: Da gibt es Post-it-Kunst wie Bildergeschichten im Miniformat, Post-it-Anthropologie und Post-it-Sucht – erkennbar an Bildschirmen und Schreibtischen, deren ursprüngliche Oberfläche schon vor geraumer Zeit unter kleinen kanariengelben Zetteln verschwunden ist.
Schriftsteller und TV-Autoren reichen sich den Tipp weiter, die Struktur eines Romans oder einer Serie mithilfe der Haftnotizen zu entwerfen. „Operation Beautiful“ stärkte das Selbstbewusstsein vieler Frauen – mit positiven Post-it-Botschaften auf Spiegeln, Spinden und Kacheln.
Dass ein kleines Stück Papier mit einem klebrigen Streifen so stark in alle Lebensbereiche vordringen würde, hätte sich 1968 wirklich niemand vorstellen können.
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Hallo Herr Rustler, noch mehr
Hallo Herr Rustler,
noch mehr kreativen Post-It Input für Ihre Workshops finden Sie hier:
http://www.youtube.com/watch?v=BpWM0FNPZSs
und
http://www.youtube.com/watch?v=znN4vKL8baA
viel Vergnügen wünscht Ihnen
Ihr Die Erfinder Team
Hallo, vielen Dank für diesen
Hallo,
vielen Dank für diesen Artikel über die Entstehungsgeschichte der Post-its. Ich habe diese bisher immer etwas anders in Erinnerung und freue mich über die offizielle 3M-Version.
Die Post-its sind übrigens nach wie vor das wichtigste Arbeitsmaterial für unsere moderierten Innovationsworkshops trotz aller heute verfügbaren Computertechnologie.
Ich nutze die Post-it Geschichte in unseren Seminaren, um die Werte von innovativen Denkern zu illustrieren. Diese zeigen sich schön in Ihrem Artikel und auch im verlinkten Interview.
Neben Geduld gehören dazu auch Neugier, Mut und Beharrlichkeit.
- Neugier die Ergebnisse eines verunglückten Experiments weiter zu verfolgen.
- Mut, ein Haftmittel vorzuschlagen, für das es noch keine konkrete Verwendung gibt und worauf andere möglicherweise nicht Begeisterung, sondern vielleicht sogar mit Ablehnung reagieren werden.
- Beharrlichkeit, nach dem ersten „gescheiterten“ Versuch nicht aufzugeben sondern nach anderen Wegen zu suchen, zum Ziel zu kommen und das Produkt zum Laufen zu bekommen. Das finde ich sehr schön beschrieben im Interview der Financial Times.
Vielen Dank für den Artikel!
Florian Rustler