Absorptive Capacity – mit externem Wissen Innovationen fördern

Absorptive capacity

Innovationen sind das Allheilmittel für den Unternehmenserfolg. So wird es in allen Bereichen gepriesen, ob in der Theorie oder der Praxis. In der Tat sind Unternehmen heute anderen Herausforderungen ausgesetzt wie: Beständiger technischer Fortschritt, verkürzte Produktlebenszyklen, veränderte Kundenanforderungen und intensiver geführte Wettbewerbsprozesse. Entgegen früherer Vorgehensweisen kann heute kaum noch ein Unternehmen diesen Entwicklungen ausschließlich durch eigene F&E Anstrengungen erfolgreich entgegentreten. Externe Informationen und Wissen gewinnen stetig an Bedeutung, sofern Unternehmen weiterhin Innovationen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile generieren wollen. Die bloße Aufnahme von Wissen, bzw. der Besitz des „richtigen“ Wissens ist jedoch mitnichten ausreichend, um innovativ zu bleiben oder zu werden. Erst die richtige Anwendung und Kombination von neuem mit bestehendem Wissen macht die Informationen für das Unternehmen verwertbar und kann nur so zu den für Innovationsleistungen unabdingbaren Fähigkeiten und Kompetenzen führen, die einen wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen.

Dies unterstreicht unter anderem auch die Unternehmensvergleichsstudie „Top 100“, in der das Innovationsmanagement herausragender mittelständischer Unternehmen untersucht wird. Hier zeigt sich, dass bahnbrechende Neuerungen zumeist auf Ideen findiger Anwender und nicht auf die Hersteller selbst zurückgehen. Der Aufmerksamkeit für externes Wissen kommt deshalb eine zentrale Bedeutung zu. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der Konzern Procter & Gamble oder IBM.

Das Konzept der Absorptive Capacity

Das Konzept der Absorptive Capacity (ACAP) fungiert in diesem Zusammenhang als verbindendes Element zwischen der Wissensaufnahme und -verwendung mit dem Ziel, durch Innovationen nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu generieren. Es erklärt welche Funktionen, Prozesse und Routinen notwendig sind, damit relevantes, externes Wissen aus der Unternehmensumwelt erfasst, bewertet und in das bestehende Unternehmenswissen integriert werden kann. Um das aufgenommene Wissen anschließend für Innovationen nutzbar zu machen, muss es vorher an interne Wissensbestände assimiliert bzw. transformiert werden. Die kommerzielle Verwertbarkeit des Wissens im Unternehmen hat an erster Stelle die Generierung von Innovationen und strategischer Flexibilität zum Ziel.

Cohen und Levinthal haben mit ihrer Entwicklung der ACAP einen viel beachteten Ansatz in der Organisationsforschung geschaffen.

Das Konstrukt der ACAP beschreibt die Fähigkeit neues externes Wissen zu erkennen, zu bewerten und aufzunehmen um es anschließend an vorhandenes Wissen zu assimilieren und für wirtschaftliche Zwecke (z.B. Innovationen) nutzbar zu machen. Demzufolge kann die ACAP in drei chronologische aufeinander folgende Dimensionen unterteilt werden: Die Erkennung, Bewertung und Integration von Wissen, zusammengefasst als Wissensabsorption, die Assimilation und die Nutzbarmachung von Wissen für kommerzielle Zwecke.

Dabei beschreibt die Dimension der Wissensabsorption wie relevante externe Informationen identifiziert, bewertet und in das Unternehmen integriert werden. Praktiken der Wissensabsorption können beispielsweise ganz klassische Aufgaben sein, wie Recherche in (Patent-) Datenbanken, Besuche von Kongressen, Round-Tables, Studium von Fachliteratur etc. Aber auch spezielle Funktionen wir Boundary Spanner oder Gatekeeper, die zielgerichtet die Umwelt scannen und monitoren, integrieren Wissen in das Unternehmen. Bei Learning Journeys und Benchmarking z.B., geht es mehr um das Erlernen von Prozesswissen, also impliziten statt expliziten Wissen.

Gegenstand der Assimilation ist die Fähigkeit des Unternehmens aufgenommene Informationen zu verarbeiten und an die vorhandenen Wissensbestände anzupassen. Hierbei geht es im Kern darum, die neu aufgenommenen Informationen zu interpretieren und mit bestehenden Wissensbeständen zu verknüpfen, um sie für die Nutzbarmachung aufzubereiten.

Hier gibt es in den Unternehmen oftmals eigene Abteilungen, die neu hinzugekommenes Wissen in Dantenbanken und Wikis einpflegen, um es für alle Mitarbeiter zugänglich zu machen aber auch um es an internes Vokabular und die Sprache anzupassen.

Die Nutzung des assimilierten Wissens für kommerzielle Zwecke ist in Verbindung mit der Erreichung organisationaler Ziele zu sehen und beschreibt die Erweiterung und Weiterentwicklung bestehender Ressourcen und Kompetenzen. Hier wird primär auf die Erzielung von Innovationen als organisationalen Zweck abgestellt, der die Generierung und nachhaltige Entwicklung von Wettbewerbsvorteilen zum Ziel hat.

Das erworbene und assimilierte Wissen soll nun natürlich kommerziell verwertet werden. Promotoren, die Innovationsprozesse anstoßen und betreuen, spielen hier eine zentrale Rolle. Aber auch durch das Vorhalten und die Verfügbarmachung, des im Unternehmen bestehenden Wissens in Wikis, wird durch diese Dezentralisierung oft auch ein Innovationsprozess angestoßen. Oft gibt es Incentives für Mitarbeiter, wenn sie Innovationen anstoßen und Ihre kreativen Ideen in Projekt ummünzen.

Nur wenn ein Unternehmen über alle drei Einzelfähigkeiten verfügt, besitzt es eine hohe Absorptive Capacity. Hat das Unternehmen eine Vielzahl an externen Kontakten und nimmt diverse technologische Ideen aus der Umwelt auf, ist dies noch kein Garant für mehr Innovation. Es ist auch erforderlich, dass das Unternehmen regelmäßig in der Lage ist, diese Informationen für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Je nach Ausprägung dieser Fähigkeiten unterscheiden sich Unternehmen in ihrer Absorptive Capacity. Sie kann somit erklären, warum manche Unternehmen hinsichtlich der Entwicklung neuer technologischer Lösungen erfolgreicher sind als andere.

Mit einer hohen ACAP zu mehr Innovationen

Besitzt ein Unternehmen eine hohe Absorptive Capacity, ist es in der Lage, umfänglich externe Informationen für Innovationen zu nutzen. Durch die Aufnahme externen Wissens vergrößert sich die Spannbreite der Ideen- und Lösungsfindung – der beschränkte Lösungsraum der unternehmenseigenen Entwickler wird erweitert. Durch die tatsächliche Nutzung des Wissens gelingt die Entwicklung neuer Produkte und Organisationsformen. Die Absorptive Capacity erhält aus diesem Grund eine Schlüsselrolle für die Innovativität und Wissensentwicklung. Ziel einer erfolgreichen Unternehmensführung muss es deshalb sein, eine hohe Absorptive Capacity zu entwickeln.

 

Fazit

Der Begriff der Absorptive Capacity kommt langsam auch in der Unternehmenspraxis an. Dennoch sind viele Unternehmen heute immer noch nicht in der Lage, relevantes externes Wissen zu identifizieren und zu integrieren oder es gelingt ihnen nicht, das aufgenommene Wissen an bestehende Strukturen zu assimilieren. Viele Unternehmen agieren auf diesem Feld noch viel zu rückhaltend und stehen den Entwicklungen im Bereich offener Innovationsprozesse skeptisch gegenüber. Oft ist die Unternehmenskultur nicht offen genug gegenüber neuem, externem Wissen und das Not-Invented-Here Syndrome herrscht vor. Unternehmen sollten sich daher mit dem Konzept der Absorptive Capacity und dem offenen Innovationsmodell vertraut machen und auseinander setzen, da es für jedes Unternehmen enorme Innovationspotentiale birgt.

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