Homeoffice umstritten: Sind Berufstätige zu Hause auf ihrem Arbeitsgebiet wirklich daheim?
Am Rechner im Kreis der Familie sitzen oder auf dem Sonnenbalkon ungestört vom Lärm des Großraumbüros arbeiten – für viele ist diese Freiheit und Flexibilität ein Traum. Aber ist die Arbeit in vertrauter Atmosphäre wirklich für alle vorteilhaft oder doch eher unergiebig? Die folgenden Praxiserfahrungen und Anhaltspunkte können bei einer Entscheidung helfen.
Von Mitte Juli bis November 2011 arbeiten alle 500 Mitarbeiter des Hauptsitzes von Microsoft Schweiz zu Hause, weil ihr Arbeitsort umgebaut wird. Das außergewöhnliche Experiment scheint zu funktionieren. Allerdings gibt es auch Erfahrungen, die eher gegen diese Form von Einzelarbeit sprechen.
Rahmenbedingungen für Homeoffices eines Weltkonzerns
In einem Interview mit dem Tagesanzeiger fasst Kevyn Norton von Microsoft Schweiz zusammen, welche Voraussetzungen für den Homeoffice-Betrieb gelten: „Konkret braucht es gut strukturierte Videokonferenzen sowie eine perfekte Zusammenarbeit bei der Erstellung von Präsentationen und Dokumenten. Wir stellen den Mitarbeitern natürlich die komplette Infrastruktur zur Verfügung, also Hard- und Software und Internetanschlüsse“. Darüber hinaus gibt es Team-Tage im provisorischen Büro, Feierabend-Treffs und einen internen Twitter-Kanal zum Austausch. Nach Nortons Erfahrung werden alle Freiheiten genutzt, aber nicht ausgenutzt, und mit der zunehmenden Eigenverantwortung steigt auch die Leistungsbereitschaft.
Teamwork: Die Starken ziehen die Schwachen mit
Weniger positive Erfahrungen mit der Einzelarbeit schildert ein FAZ.net-Artikel zum Thema Homeoffice. In einem Experiment wurden Studenten dafür eingestellt, Briefe zu verpacken. Ein Teil arbeitete allein, ein Teil zu zweit in einem gemeinsamen Zimmer. Das interessanteste Resultat der Studie: Die Zweier-Konstellationen waren deutlich produktiver als zwei, die einzeln vor sich hin werkelten. Sie verpackten im Schnitt mit 221 statt 190 deutlich mehr Briefe in vier Stunden. Ähnlich verlief ein Versuch mit Supermarkt-Kassierern, die eine bessere Leistung erzielten, wenn sie nicht einzeln arbeiteten, sondern von Mitarbeitern beobachtet wurden, insbesondere wenn die Beobachter schnellere und leistungsstärkere Kollegen waren.
Argumentefür und gegen das Homeoffice im Überblick
Pro Heimarbeit:
· Gefühlvon Freiheit und Flexibilität
· keine Fahrtkosten, keine Umweltbelastung, keine Reisezeiten
· keine zusätzlichen Mietkosten und trotzdem teilweise steuerliche Absetzbarkeit
· größeresWohlbefinden in der vertrauten Umgebung
· bessereVereinbarkeit von Familie und Beruf
· keine Arbeitsunterbrechungen und Konzentrationsstörungen im Großraumbüro
Kontra Heimarbeit:
· Die Vermischung von Privat- und Geschäftsräumen kann für Kunden und Geschäftspartner irritierend sein (unaufgeräumte Küche, außergewöhnliche Hobbys).
· Der fehlende Kontakt zu Kollegen kann zu weniger fachlichem Austausch und schlimmstenfalls zu sozialer Vereinsamung führen.
· Berufund Privatleben vermischen sich so sehr, dass eine Balance dazwischen schwierig wird.
· Die Expansion eines Unternehmens kann durch die festgelegte Größe des Heimbereichs erschwert werden.
· Fehlende soziale Kontrolle kann die Motivation verringern.
Alternativ: Der goldene Mittelweg
Wer die Pro- und Kontra-Argumente auf seine persönliche Situation übertragen hat und immer noch beide Varianten reizvoll findet, kann vielleicht einen Mittelweg wählen wie nur ein paar Tage Heimarbeit in der Woche. Besonders für Freiberufler eignen sich als Kompromisslösung darüber hinaus auch „offene, digital vernetzte und kollaborative Arbeitsorte, die flexibel sind und als Inkubationsplattform für Netzwerk, Innovation und Produktion dienen“ und „eine Mischung aus entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre und konzentriertem Arbeitsumfeld“ bieten. So beschreibt sich das Betahaus Berlin, aber ähnliche Mischformen zwischen Firma und Homeoffice gibt es auch in anderen Städten.
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Zum Argument 'die Starken
Zum Argument 'die Starken ziehen die Schwachen mit', ist das nicht auch bei Anwesenheit im Büro genauso der Fall? Denke Home-Office ist für Mitarbeiter, die für's Denken und nicht für's Da-Sein entlohnt werden, ein wichtiges Element zur Schaffung von hoher Mitarbeiterzufriedenheit, und damit auch zur Produktivität.
Ich habe mit der Möglichkeit
Ich habe mit der Möglichkeit des Home-Office bisher nur gute Erfahrungen gemacht!
Obwohl ich die beschriebenen Bedenken verstehen und teilweise sicher auch nachvollziehen kann überwiegen für mich persönlich doch die Vorteile.
In meinem Fall handelt es sich allerdings auch "nur" um den Mittelweg mit 1 Tag Home-Office/Woche.
An diesem Tag plane ich vorher meine Arbeiten entsprechend, um eine größtmögliche Effektivität und Produktivität zu erzielen und das funktioniert jetzt seit fast 2 Jahren ohne Probleme!
Inwieweit ein höherer Anteil im Home-Office Sinn macht und Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt, das vermag ich nicht zu beurteilen, aber es wäre sicher einmal einen Versuch über einen festzulegenden Zeitraum wert!