Kathedralen der Kreativität: Was haben Bürodesign und Innovation miteinander zu tun?
Eine stimulierende Umgebung und großzügige Bereiche zum Relaxen sind gut fürs Geschäft. Dies gilt umso mehr für innovative Unternehmen und solche, die es werden möchten.
„Ich wünschte, das wäre mein Arbeitsplatz!” So lautet der Titel eines Buchs über den Zusammenhang zwischen Arbeitsplatzgestaltung und Produktivität. InGoogles Online-Magazin Think Quarterly widmet sich dessen Autorin Kursty Groves der Frage, welche Rolle die schicke Eingangshalle und der Designerschreibtisch spielen – gerade vor dem Hintergrund einer zunehmend virtuellen Arbeitswelt.
Arbeitsräume müssen die Seele eines Unternehmens widerspiegeln – wonach es strebt und wie es sich selbst sieht. Während die eine Belegschaft in wohliger Atmosphäre an schönen Produkten feilt, wird die nächste vielleicht von radikaler Kompromisslosigkeit angetrieben.
Gut zu sehen ist das in der Gegenüberstellung:
Bei LEGO im dänischen Billund stehen Stühle im Oversize-Format, dazu riesige Bauklötze.Die dort Tätigen fühlen sich in die Kindheit zurückversetzt … und schon purzeln die Ideen.
Der Weltmarktführer für Sportbrillen, Oakley Inc.hingegen gibt sich tough: Die Lobby des „Designbunkers“ imponiert mit B52-Schleudersitzen und kopfgroßen Befestigungsmuttern. Klare Sache: Hier sitzen Leute, die ans Limit gehen … und darüber hinaus.
Wiederum anders: das Clay Street Project von Procter & Gamble.Möbel von der Stange haben hier nichts zu suchen, denn P&G will ja auch keine Ideen von der Stange. Stattdessen warten in der alten Brauerei nackte Wände darauf, während der Kreativsessions von den Teams dekoriert zu werden. Die Crux ist der Kontext, mahnt Groves. Lavalampen und Sitzsäcke sind eben nicht überall angemessen – das P&G-Verwaltungsgebäude im Stadtzentrum von Cincinnati sieht deshalb aus wie … ein Verwaltungsgebäude. Was für die einen funktioniert, wäre woanders völlig unangebracht.
Dazu kommt, dass ein Innovationsprozess verschiedene Arbeitsweisen erfordert: Es gibt Phasen der Stimulation, der Reflektion, des gemeinschaftlichen Arbeitens und des Ausprobierens. Häufige Beschwerden nach Standard-Umbauten sind zum Beispiel, dass es an Privatsphäre mangelt oder der Raum zum Nachdenken fehlt. Innovationsförderung bedeutet auch, für alle unternehmensspezifischen Arbeitsphasen und Mitarbeiterbedürfnisse einen Platz zu bieten.
Arbeitsräume als Verkörperung von Innovationschancen
Viele Beispiele für ideenfördernde Raumgestaltung zeigt This ain’t no disco. Die Website gestattet Einblick in die Büros und Besprechungsräume von Werbeagenturen in der ganzen Welt – vom Werkstatt-Look bis zur Bar im Retrostyle ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und ein weiterer Think-Quarterly-Artikel offenbart die Grundgedanken hinter dem verwegenen Bürodesign dreier bekannter Kreativschmieden.
„Beneidenswert!“, denken angesichts solcher Arbeitsplätze die gesuchten Fachkräfte. Derartige Räume bevölkern sich wie von selbst mit inspirierten und produktiven Menschen.
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