Not invented here Syndrom: Die Innovationsbremse lösen
Warum wird das Rad neu erfunden, wenn dies mehr Zeit und Geld kostet als andere Vorgehensweisen? In vielen Unternehmen ist der Grund für diesen Ansatz ein grassierendes „NIH“-Syndrom – die Aversion gegen Ideen, Produkte und Technologien, die nicht aus dem eigenen Hause stammen. Wer die Hauptursachen für die Innovationsbremse „Not invented here“ kennt, hat gute Chancen, sie zu lösen.
Wikipedia beschreibt das Not-invented-here-Syndrom (Abkürzung NIH, auf Deutsch: „nicht hier erfunden“) als „die Nichtbeachtung von bereits existierendem Wissen durch Unternehmen oder Institutionen aufgrund des Entstehungsortes“.
Zeitgemäßer erscheint, was Henry Chesbrough, der „Erfinder“ des Begriffes Open Innovation, wie folgt auf den Punkt bringt: „Nicht alle cleveren Menschen arbeiten in Ihrem Unternehmen. Wer sich die Entdeckungen anderer zunutze macht, kann spektakuläre Ergebnisse erzielen.“ Warum also gibt es das NIH-Syndrom überhaupt noch?“
Sachliche Gründefür die Abwägung „entwickeln oder einkaufen“
Im Bizshifts‘s Blog sind einige Argumente zitiert, die in bestimmten Fällen tatsächlich für Eigenentwicklungen sprechen können: So zieht eine externe Lösung unter Umständen Folgen nach sich, die bei bewährten internen Prozessen vielleicht weniger häufig eingetreten wären. Eigene Entwicklungen sind zwar zeit- und finanzaufwendiger, aber sie bieten auch die Gelegenheit zu Praxis und Training.
Das Risiko unüberbrückbarer Patentstreitigkeiten zwischen den Beteiligten an der Entwicklung von externen Lösungen ist ein weiteres Argument.
All dies muss vor jeder Entscheidung abgewogen werden – vor allem bei der Patentfrage sollte von Anfang an konstruktiver Rat bei der eigenen Rechtsabteilung eingeholt werden.
Fehlentscheidungen durch Ignoranz, Egotrips und Eitelkeiten
Neben den oben aufgeführten sachlichen Gründen ist die Entscheidung gegen externe Lösungen sehr häufig anders motiviert. So ist im Wikipedia-Eintrag zu NIH von Nachlässigkeit die Rede: „Das NIH-Syndrom tritt meist durch einfache Ignoranz auf, da viele Unternehmen keine Nachforschung betreiben, ob die aktuelle Problematik bereits von anderen gelöst wurde.“
Auch im Unternehmen selbst weiß die linke Hand oft nicht, was die rechte gerade tut. So kann in einer Abteilung bereits ein Produkt entwickelt werden, während an anderer Stelle eine externe Kooperation zu dem Thema ausgehandelt wird.
Im Artikel In Defense of Not-Invented-Here Syndrome wird ein weiterer wichtiger Grund angeführt, der in Unternehmen großen Schaden anrichten kann: “Leute mit NIH-Syndrom sind einfach eitel. Sie lehnen eine für das ganze Unternehmen eindeutig vorteilhafte Maßnahme nur deswegen ab, weil sie sich nicht selbst damit rühmen können”.
Von der Innovationsbremse zum Innovationsmotor
Wayne Baker fordert zur Lösung der Innovationsbremse „Not invented here“ Führungskräfte, die Innovation vorleben und die besten Ideen suchen, ganz gleich ob diese von innen oder außen kommen. Nur eine echte offene Unternehmenskultur, die Wissen teilt und soziales Kapital aufbaut, kann eine höhere Produktivität und Zufriedenheit erzielen.
Eine interne und externe Öffnung ist auch ein Weg, um die Wahrscheinlichkeit der oben aufgeführten ärgerlichen Doppel- und Parallelentwicklungen zu minimieren.
Auch die Karrierebibel beschreibt als Lösungsgrundlage einen uneitlen Chef, der nicht selbst „Überträger des NIH-Virus“ sein darf und liefert außerdem noch zwei sehr praktische Tipps: „Fordern Sie ganz bewusst Fachfremde oder Außenseiter dazu auf, Ideen beizusteuern und belohnen Sie diese auch. Es muss deutlich werden, dass das Ziel die beste Idee ist und das diese letztlich allen zugute kommt.“ Und als nächsten Schritt: „Belohnen Sie gute Ideen niemals mehr als deren erfolgreiche Umsetzung (die meist auf Teamwork basiert)!“
Open Innovation-Profi Chris Toen kontert den „Not invented here“-Ansatz in seinem Artikel „Proudly found elsewhere“ (sinngemäß: „woanders gefunden und stolz darauf“) nicht nur mit Argumenten für ein offenes Innovationsmanagement, sondern auch gleich mit einem neuen Motto für aufgeschlossene Unternehmen: Schaffe Anreize und erhöhe die Wahrnehmung für Innovation und erhöhe so den Wert von Open Innovation. Suche gezielt nach „Early Adopters“ und nutze sie für deine Innovationsbestrebungen.