Bionische Ideenbewertung: von Bienen inspiriert einen Stich landen
Die Bionik als Entschlüsselung von Erfindungen der Natur und deren innovative Umsetzung bietet noch mehr verwertbare Ergebnisse als den legendären Klettverschluss. Sogar für das Ideenmanagement kann einiges abgeschaut werden, wie folgendes von Bienenkolonien inspirierte Alternativverfahren zur Ideenbewertung zeigt.
Eine in Unternehmen gängige Methode für die Auswahl der besten Idee ist das „Punktekleben”, bei der jeder Experte Punkte (meist auf einer Skala von 1 bis 10) auf favorisierte Ideen klebt und die Punkte dann addiert werden. Obwohl sie weit verbreitet ist, verwendet Zephram, wie ausführlich in ihrem Blogbeitrag erklärt, diese Methode nicht, weil Unterschiede zwischen den Alternativen wie hier oft kaum zu erkennen sind:
Die Bewerter W, X, Y und Z haben die drei Ideen A, B und C mit Punkten zwischen 1 und 6 bedacht. Insgesamt bekommt Idee A 11, Idee B 12 und Idee C 11 Punkte. Damit liegt Idee B nur knapp vor den gleichrangigen Ideen A und C. Für den Menschen, der sich jetzt für die beste der drei Alternativen entscheiden soll, wäre aber eine etwas differenzierte Darstellung der Unterschiede hilfreich.
Die Methode der Bienen auf dem Prüfstand
Der finnische Student Juho Salminen untersuchte in seiner Masterarbeit an einem Prototypen, ob sich folgendes Nistplatz-Verfahren der Bienen auch auf die Ideenauswahl übertragen lässt:
Hunderte Bienen fliegen los, um einen geeigneten Nistplatz zu finden. Nach Erfüllung ihrer Mission kehren sie zur Kolonie zurück und führen einen „Wackeltanz” vor, ein Flugmanöver mit Zickzackbewegungen, bei dem die Anzahl der Bewegungen von der Qualität des Nistplatzes abhängt. Daraufhin fliegen weitere Bienen zum Nistplatz und bewerten ihn wieder durch Wackeltänze vor der Stammkolonie. Wenn eine ausreichende Zahl Bienen ihn bewertet hat, zieht die Hälfte der Kolonie zum neuen Platz um.
Als Ergebnis seiner Arbeit empfiehlt Salminen ein Werkzeug, das genau auf dem Vorgehen der Bienenkolonien basiert.
Die Übertragung der Bienen-Methode auf die Ideenbewertung
Wissenschaftler haben bei Simulationen herausgefunden, dass das Verfahren der Bienen tatsächlich optimal für eine Bewertung ist. Denn die Parameter der Natur ermöglichen den bestmöglichen Kompromiss zwischen der Qualität des gewählten Nistplatzes und dem erforderlichen Arbeitsaufwand. Zu diesen Parametern gehört die Anzahl der Wackelbewegungen in Zusammenhang mit der vermuteten Qualität eines Nistplatzes. Dabei wurden sechs verschiedene Qualitätsstufen beobachtet, die mit 15, 45, 90, 150, 225 bzw. 315 Wackelbewegungen kommuniziert werden.
Wenn das obige Eingangsbeispiel der vier Experten auf die Stufen der „Bienen-Skala“ abgebildet wird, zeigt sich das folgende differenziertere Ergebnis:
Idee B bleibt Sieger, aber der relative Abstand zu den anderen ist größer. Außerdem sind die Ideen A und C jetzt nicht mehr gleichrangig, sondern A liegt vor C.
Klarere Abbildung von Unterschieden zwischen Alternativen
Das bionische Bewertungsverfahren zeigt Unterschiede zwischen den Alternativen deutlicher als die lineare Bewertung, was für die richtige Entscheidung im Innovationsprozess sehr hilfreich sein kann. Natürlich funktioniert ein solches Verfahren nicht ohne Computer, denn die Experten wollen ja wie gewohnt ihre Punkte bei der Ideenbewertung ohne komplizierte Algorithmen linear vergeben. Insgesamt scheint eine nichtlineare Abbildung von Punkten für die Ideenbewertung also einige Vorteile zu bieten.
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