Die Crowd kann’s. Wenn gute Produkte im Kollektiv entstehen
Noch nie war die Gemeinschaft so gefragt wie heute. Politische Bewegungen entstehen online, mathematische Rätsel werden gelöst und Projekte finanziert – die „Crowd“ liegt im Trend. Aber taugt der gemeinschaftliche Ansatz auch fürs Produktdesign?“, fragten sich zwei Wissenschaftler – und machten die Probe aufs Exempel.
Dass gemeinschaftliche Kreativität grundsätzlich möglich ist, beweisen Projekte wie die im Team verfassten Kurzgeschichten und Romane von Neovella. Und nun zeigt eine auf der renommierten Conference on Human Factors in Computing Systems vorgestellte Studie [€] von Lixiu Yu und Jeffrey Nickerson, dass auch „Crowd“-basierte Designprozesse effektiv sein können.
Die Evolution eines Kinderstuhls
Aufgabe war der Entwurf eines Kinderstuhls. Die erste „Designgruppe“ reichte Skizzen ein, eine Evaluationsgruppe bewertete den Ideen-Output. Die erste Skizzen-Generation war Ausgangspunkt für weitere Stuhlentwürfe einer zweiten Designergruppe, die wiederum von einer neuen Evaluationsgruppe begutachtet wurden. Insgesamt wurden diese Schritte drei Mal wiederholt.
Das Ergebnis: Mit jeder „Generation“, also jeder Entwurfsrunde, wurden die Ideen besser.
Jede Evaluationsgruppe fand die neuen Skizzen kreativer, praktischer und besser – weil darin überzeugende Aspekte aus der vorherigen Entwurfsrunde aufgegriffen und weiterentwickelt worden waren.
Lena Groeger berichtet in Wired von der Studie. Jeffrey Nickerson, schreibt sie, brauchte nur drei Dinge:
- einen Crowdsourcing-Marktplatz – in diesem Fall Amazons Mechanical Turk, eine nach dem berüchtigten „Schachtürken” benannte Plattform zur Auftragsvergabe
- eine frei verfügbare Designsoftware, hier das GoogleDocs-Zeichenprogramm
- einen organisatorischen Prozess, der die Evolution nachahmt.
Sein System, das er als „human based genetic algorithm“ bezeichnet, spaltet den Innovationsprozess auf: Der Computer kümmert sich um den Ablauf, die Crowd widmet sich dem Kombinieren von Ideen.
Nickerson sieht eine große Chance darin, mit Webtechnologien Strukturen zu entwickeln, die als Kreativitätskatalysator dienen. Wenn einmal grundsätzlich klar sei, wie die Crowd denkt, könne der Output optimiert werden. Als mögliche Regler für die Feinabstimmung nennt Nickerson ein breiteres Teilnehmerspektrum oder mehr Experten oder Beschränkungen hinsichtlich der Produktionskosten oder des zu verwendenden Materials.
Wenn am Ende die Beteiligten sich ihre Rahmenbedingungen selbst schaffen, also gemeinsam entscheiden, womit und wie das Ergebnis ausgebrütet wird, wäre das für ihn die Krönung der Crowd-Kreativität.
Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Crowdsourcing gesammelt – oder mit der Teilnahme an einer offenen Ausschreibung? Wenn Sie schon Open Innovation-Tools nutzen – welche können Sie empfehlen?
[€] Artikel oder wissenschaftliche Publikation, deren vollständiger Download nur gegen eine Gebühr möglich ist.
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