Effectuation – Wie erfahrene Unternehmer Ideen umsetzen
Eine Erfindung ist noch keine Innovation. Wie setzen innovative Unternehmer ihre Ideen und Erfindungen erfolgreich um? Ist es Glück oder besondere Cleverness? Zufall oder ein erkennbares Handlungsmuster? Neueste Erkenntnisse aus der Entrepreneurship-Forschung entschlüsseln die DNA des erfolgreich handelnden Unternehmers. Dabei sind es nicht besondere Eigenschaften, die den erfahrenen Unternehmer ausmachen. Vielmehr ist es ein bestimmtes Denken, das unternehmerisches Handeln in unsicheren Situationen erfolgreich macht. Diese unternehmerische Methode nennt sich Effectuation und basiert auf zentralen Handlungsprinzipien, die sich deutlich von klassischen Managementmethoden unterscheiden.
Ein Gastbeitrag von „Effectuation Intelligence“
Während Manager mit der Definition von möglichst klaren Zielen beginnen, verzichten erfahrene Unternehmer auf Prognosen. Sie lassen die Ziele ambivalent und beginnen auf Basis der eigenen Mittel unmittelbar zu handeln. Nur so ist erklärbar, wie neue Technologien und innovative Geschäftsideen ganze Märkte entstehen lassen. Jeff Bezos, der Gründer von Amazon.com, hätte mit klassischen Planungspraktiken keinen Investor überzeugen können. Die Annahmen für sein auf maximales Wachstum ausgerichtetes Geschäftsmodell stellten sich im Vorfeld als vollkommen unrealistisch dar. Statt einen neuen Markt für ihr innovatives Vorhaben vorherzusagen und zuerst Mittel zu akquirieren, versuchen erfahrene Unternehmer vielmehr diesen Markt ausgehend von schon vorhanden eigenen Ressourcen selbst aufzubauen. Die eigenen Ressourcen beschränken sich dabei nicht auf finanzielle Mittel. Vor allem die eigene Identität - wer sie sind, was sie wissen und wen sie kennen - definiert den Startpunkt ihres Tuns. So werden sie auch in unsicheren Situationen handlungsfähig.
Erfahrene Unternehmer binden zudem vom ersten Tag an Mitstreiter in ihr Vorhaben ein. Statt mit klassischer Managementlogik den Wettbewerb und die Konkurrenz zu analysieren, werden Gleichgesinnte und Partner gesucht, die helfen, die Idee zu einer Innovation zu entwickeln. Außerdem versucht der erfahrene Unternehmer nicht jegliches Risiko von vornherein abzusichern. Unvorhergesehene Ereignisse sind in Innovationsvorhaben eher der Normalzustand als die Ausnahme und sind als Chance zu sehen. Mit ihnen flexibel und aktiv zu arbeiten ermöglicht, das Geschäftsmodell im Markt weiter zu entwickeln und mit größeren Erfolgsaussichten in innovativen Märkten durchzusetzen. Schließlich orientiert sich der erfahrene Unternehmer nicht an zu erwartenden Gewinnen, da ihm solche Prognosen mangels eines existierenden Marktes nicht möglich sind. Stattdessen setzt er sich eine Grenze für einen möglichen Verlust, den er im Fall des Scheiterns monetär wie psychologisch verkraften kann. Dies erlaubt ihm, verschiedene alternative Wege zur Ideenumsetzung auszuprobieren.
Prinzipien von Effectuation:
Mittelorientierung: Auf Basis bestehender Mittel (Identität, Wissen, Netzwerk) ins Handeln kommen.
Leistbarer Verlust: Nur das einsetzen, was man auch zu verlieren bereit ist.
Umstände und Zufälle: Sich ändernde Randbedingungen und Ungeplantes als Hebel nutzen.
Vereinbarungen und Partnerschaften: Mit denen Arbeiten, die bereit sind Mittel einzubringen.
Die Handlungsprinzipien der Mittelorientierung, der strategischen Partnerschaften, der Ausnutzung unplanbarer Ereignisse und des leistbaren Verlustes konnte die US-Forscherin Saras Sarasvathy erstmalig nachweisen. Im folgenden englischsprachigen Video stellt sie den von ihr begründeten Effectuation-Ansatz vor:
The Entrepreneurial Method (8 min)
Ein Gastbeitrag von:
Team Effectuation Intelligence: Michael Faschingbauer, MBA , Graz, Prof. Dr. Dietmar Grichnik, ITEM, Universität St. Gallen und René Mauer, RWTH Aachen. (www.effectuation-intelligence.com)
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deckt sich mit meinen
deckt sich mit meinen erfahrungen :-)