Hut aufsetzen, Hirn einschalten, anders denken

Sechs Denkhüte von De Bono

Unsere Hauptsorge sollte nicht dem Klimawandel gelten, sondern der Art und Weise, wie wir denken, meint Edward de Bono. Weil wir nur eine Chance haben, die Probleme der Welt zu lösen, wenn wir unser Hirn anders als bisher benutzen. Seine weit verbreitete und bewährte Methode der Sechs Denkhüte ist eine Möglichkeit.

Hintergrund: Laterales Denken

Unser von den alten Griechen und der Kirche geprägtes Denken zielt darauf ab, das Richtige, „die Wahrheit“ herauszufinden. Dieses Argumentieren führt aber nicht zu gemeinschaftlichen und schon gar nicht zu neuen Lösungen, weil in erster Linie jeder nur das verteidigt, was er vorher schon wusste und für richtig hält. Neue Ideen stellen lieb gewonnene Gewohnheiten infrage, weswegen die meisten Menschen sie zu verhindern suchen.

Unter dem Begriff Laterales Denken fasst Edward de Bono Prinzipien zusammen, welche die Chance auf echte Alternativen erheblich steigern. Diese Art des Denkens ist erlernbar und ergänzt sich hervorragend mit dem linearen oder vertikalen Denken: Während die Ideensuche „lateral“ geschieht, hilft bei der Auswahl und Umsetzung der Ideen wiederum das vertikale oder lineare Denken.

Laterales Denken heißt im Wesentlichen, die herrschenden Vorstellungen zu durchschauen; die Dinge anders zu betrachten; das rational-logische Denken kaltzustellen und den Zufall bewusst zu nutzen.

Laterales Denken ist ganz und gar nicht ziellos, sondern sehr systematisch. Einige Grundtechniken, die sich in den unterschiedlichsten Kreativmethoden wiederfinden, nennt ein Artikel der Ideenschmiede Lotum:

-      einen anderen Blickwinkel einnehmen,

-      visuell denken,

-      ein Problem in immer kleinere Einheiten zerlegen und diese dann anders zusammenzusetzen,

-      Verhältnisse umkehren,

-      Analogien nutzen und Verhältnisse auf andere Situationen übertragen,

-      die Aufmerksamkeit von den naheliegenden auf weniger bedeutsame Aspekte verlagern.

Um das auf Geradlinigkeit und Verteidigung getrimmte Hirn in andere Richtungen zu steuern, bieten sich Edward de Bonos „Denkhüte“ an. Weil die Kreativitätsmethode so effektiv ist, steht sie bei einigen bekannten Unternehmen wie IBM, P&G oder Siemens schon seit Jahrzehnten auf dem Programm – ebenso wie auf dem Lehrplan einiger Länder dieser Welt.

„Six Thinking Hats“ macht den Anwendern klar, welch vielfältige Perspektiven auf eine Sache es gibt – und welche Haltung sie persönlich bevorzugt einnehmen. Notorischer Nörgler? Fröhlicher Optimist? Ungeduldiger Macher?

Sechs Sichtweisen

„Six Thinking Hats“ steht für sechs Sichtweisen auf ein Problem oder einen Streitpunkt. Den Sichtweisen sind Farben zugeordnet:

-      Weiß für die sachliche, neutrale Ebene – Informationen sammeln

-      Rot für die emotionale Haltung – Gefühle äußern

-      Schwarz für die kritische Haltung – Risiken und Bedenken nennen

-      Gelb für die optimistische Haltung – Vorteile und Chancen aufzeigen

-      Grün für die assoziatives Denken – herumspinnen und Neues ausprobieren

-      Blau für die ordnendes Denken – die Diskussion moderieren

Paralleles Denken

Die sechs Sichtweisen werden von der Gruppe der Diskutierenden – oder einer einzelnen Person – nacheinander eingenommen. Bei dem von Edward de Bono so genannten parallelen Denken nehmen alle Beteiligten gleichzeitig eine Perspektive ein. Sämtliche Seiten des Problems werden in den sechs Phasen einer solchen Diskussion gemeinsam bearbeitet.

Eine andere verbreitete Variante der Methode, die allerdings vom Original abweicht, ist die Rollenverteilung. Die entsprechenden Sichtweisen werden auf die Anwesenden verteilt, am besten sogar genau entgegen bekannten Charakterzügen.

De Bonos „Denkhüte“ beziehen sich auf Papphütchen in der Farbe der geltenden Phase oder Rolle, welche die Anwender aufsetzen, um sich gegenseitig oder selbst an die gerade angesagte Perspektive zu erinnern.

Effektiv diskutieren

Indem alle beim Argumentieren in der angesagten Rolle bleiben (was etwas Übung benötigt), entfallen die typischen Wortgefechte und Konkurrenzkämpfe. Niemand braucht sich als Person angegriffen zu fühlen – denn es ist ja nur eine Rolle. Zum anderen kommt es meist zu einer enormen Vielfalt an Lösungsvorschlägen; es werden wirklich alle Seiten eines Problems bedacht. Diese Art zu diskutieren spart entgegen jeglicher Vermutung Zeit und Nerven.

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