Open Innovation: Keine Trickkiste, sondern eine Geisteshaltung

Open Innovation Cases

Eine Technologie entwickeln, die die Welt verändert; mit einer revolutionären Marketingstrategie den Bekanntheitsgrad einer Marke in schwindelerregende Höhen treiben; ein Produkt auf den Markt bringen, nach dem sich gar alle die Finger lecken: Mithilfe von Open Innovation lassen sich solche Ziele verwirklichen. Es reicht aber nicht aus, in den OI-Werkzeugkasten zu greifen und das eine oder andere Tool anzuwenden.

Nur wer offene Innovation als innere Haltung oder Philosophie versteht, hat eine Chance auf Erfolg. Für das Online-Magazin Business Management hat Lucy Douglas einige Beispiele zusammengestellt, die den Gedanken dahinter erkennen lassen.

PepsiCo „Refresh Everything“: Sozialprojekt mit Publicity-Effekt

Zuverlässig wie ein Uhrwerk lief jedes Jahr während eines Top-Sportevents in den USA ein TV-Werbespot des Softdrink-Konzerns PepsiCo. Die Spitzen-Einschaltquoten hatten ihren Preis – der Werbeplatz kostete das Unternehmen jedes Mal mehrere Millionen Dollar.

23 Jahre lang bezahlte PepsiCo diesen Preis gern. Doch im Jahr 2009 musste sich der TV-Sender um einen anderen Werbekunden bemühen. Denn PepsiCo hatte eine Idee, wie sich das Geld besser verwenden ließe und nannte diese Idee „Refresh Everything“.

Auf der Website zur Kampagne können registrierte Nutzer Projekte vorschlagen, die sie für sinnvoll halten und angeben, welches Budget zu ihrer Verwirklichung fehlt. Die Favoriten werden durch ein Voting bestimmt und erhalten die entsprechende Fördersumme von PepsiCo.

Hunde-Rettungsaktionen, medizinische Forschung, Theaterproduktionen, lokale Windparks und Care-Pakete für Soldaten in Afghanistan: förderfähig ist alles, wofür sich eine Mehrheit begeistern lässt – seit 2011 beschränkt auf die Kategorien „Kunst und Musik“, „Community“ und „Bildung“.

In Portionen von 1.000 bis 250.000 US-Dollar hat PepsiCo bislang über 20 Millionen Dollar ausgeschüttet; pro Monat wurde rund eine Million Dollar verteilt – ein Fact Sheet nennt die wichtigsten Details. Der eindrucksvolle Publicity-Effekt von „Refresh Everything“: Angeblich haben sich an den Abstimmungen schon mehr Menschen beteiligt als an der letzten Präsidentenwahl. Ganz zu schweigen von den Milliarden Mails und Gefällt mir’s, mit denen hoffnungsvolle Bewerber für ihr Projekt und das Unternehmen geworben haben.

Zu Beginn der Förderperiode 2011 führte PepsiCo das „Power-Voting“ ein: Mit dem Kauf eines Pepsi-Produkts erwarben die Käufer auch das Recht, pro Tag bis zu zehn zusätzliche Stimmen abzugeben. Am 23. Januar 2012 wird mit einer letzten Gewinnerliste das Förderjahr 2011 beschlossen.

Der treibende Gedanke: Ideen, die die Welt erfrischen. Pepsi als Katalysator für Optimismus und ein Unternehmen, das die Gemeinschaft voranbringt.

General Electric: ökologisch wertvolle Zusammenarbeit

Neben dem Image hat General Electric mit seinem Ecomagination-Projekt auch die Unternehmenskasse aufgebessert – und zwar um einige Milliarden US-Dollar. Und das geht so:

Eine Ausschreibung von GE umreißt das Vorhaben, die Stromversorgung sauberer, energieeffizienter und intelligenter werden zu lassen. Dazu sollen Firmen, Unternehmer und jeden Einzelnen ihre Ideen einreichen; eine Jury beurteilt die Vorschläge. Der Reiz an der Sache: Die Urheber der aussichtsreichsten Ideen bekommen die Chance, sie zu profitablen Produkten weiterzuentwickeln und in einer angemessenen Dimension am Markt zu platzieren. Dafür gibt es Geld, fachliche wie strategische Unterstützung und die Möglichkeit, mit GE eine Partnerschaft einzugehen.

Bis zum vergangenen Jahr hat GE im Rahmen des Projekts zirka fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben und im Gegenzug gut 70 Milliarden eingenommen. Weitere zehn Milliarden sollen in den kommenden fünf Jahren investiert werden, um bei Leuchtstofflampen, smarten Applikationen, Akkus und Windenergie Fortschritte zu erzielen.

Der treibende Gedanke: Lösungen für die heutigen Umweltproblem ersinnen und verwirklichen – und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Ecomagination als Forum für saubere Technologien und eine nachhaltige Infrastruktur.

P&G Connect + Develop: Lösung gesucht … und gefunden

Bereits seit einem Jahrzehnt erweitert Open Innovation-Pionier Procter & Gamble sein Portfolio mithilfe von Firmenfremden. Über das Internetportal Connect + Develop hat das Unternehmen schon unzählige externe Entwicklungspartner gefunden – auch dank ihrer Strategie, jede Partnerschaft als „Win-Win“-Situation zu gestalten. Für eine gute Idee Prämien bis zu 100.000 Dollar und attraktive Kooperationsangebote zu bekommen, ist eben reizvoller als ein Paket mit Putzmittelproben.

Eine zweite Initiative trägt ebenfalls dazu bei, dass P&G über einen so langen Zeitraum immer unter den innovativsten Unternehmen der Welt rangiert: Mit der Future Works-Plattform betreibt der Konzern nun auch Business Model Innovation. Hier melden sich Unternehmen mit zündenden Geschäftsmodellen im Gesundheitsbereich, im Bereich Franchising oder IT-basierte Dienste, die zu Procter & Gamble passen. Verspricht sich auch der Konzern einen Verstärkungseffekt für eine seiner Marken oder das Unternehmen als Ganzes, so kann sich der Gründer darauf freuen, dass sein kleines Start-up demnächst zu einem Global Player wird.

Der treibende Gedanke: In gegenseitigem Respekt mit Innovationskollegen zusammenarbeiten – Mehrwert durch Partnerschaft

09.03.2012
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