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Open Innovation

Colgate-Palmolive und der talentierte Mr. Melcarek

Colgate-Palmolive und der talentierte Mr. Melcarek

Sie grübelten … und kamen einfach nicht drauf: Wie konnten sie das Fluorid, welches in eine ordentliche Zahnpasta hineingehört, in die Tube bringen, ohne die Umgebung mit dem feinen Puder zu bestäuben? Viele Versuche, keine Lösung, schließlich wandte sich die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Colgate-Palmolive an einen Ideen-Vermittler. Und dann ging es ganz schnell …

Das Fluorid-Problem wurde auf InnoCentive ausgeschrieben, wo es Edward Melcarek kurze Zeit später unter die Augen geriet. Noch bevor er die Spezifikation zu Ende gelesen hatte, berichtet Paul Arnold für IdeaConnection, kam dem Elektroingenieur die Idee. Wie wäre es, wenn das Fluorid positiv aufgeladen und Tube geerdet würde? Dann müssten doch die feinen Fluoridpartikel vom Behältnis angezogen werden …

25.000 Dollar bekam der Elektroingenieur aus Ontario für seinen Vorschlag – nicht schlecht für ein paar Minuten Denkarbeit. Und Colgate-Palmolive hatte innerhalb kürzester Zeit ein Problem weniger; Melcareks Vorschlag wurde in die Praxis umgesetzt.

Dass die hauseigene Entwicklungsabteilung doch noch auf dieselbe Idee gekommen wäre, ist relativ unwahrscheinlich. Denn es handelte sich um eine physikalische Lösung, wie sie nur dem Kopf eines entsprechend qualifizierten Menschen entspringen konnte.

Damit ist der Fall ein gutes – und typisches – Beispiel für offene Innovation als des Rätsels Lösung: Wenn ein Unternehmen in einer Frage nicht weiterweiß, ist die Chance recht groß, dass irgendwo auf der Welt jemand eine Antwort kennt.

Vermittlungsplattformen bringen Ratsuchende und Problemlöser zueinander, erstere kommt das in der Regel günstiger als der Einsatz von festangestellten Forschern.

„Eine tolle Art zu arbeiten“

Edward Melcarek stieß vor etwa acht Jahren durch Zufall auf den Intermediär InnoCentive, als er nach einem Nebenjob suchte. Dem Elektroingenieur ohne Doktortitel war es nie gelungen, eine Vollzeitstelle in der Forschungsabteilung eines großen Unternehmens zu finden.

Heute arbeitet der kanadische Erfinder für eine ganze Reihe renommierter Unternehmen, auch wenn er manchmal gar nicht erfährt, wessen Problem er gerade gelöst hat. Denn die Firmen, welche Vermittlungsplattformen nutzen, bleiben oft anonym, heißt es in einem Street-Artikel.

Der inzwischen 62-Jährige hat Gefallen an seinem neuen Job gefunden. Er durchstöbert die Ausschreibungen auf Open Innovation-Plattformen, wirft seinen Denkapparat an, und wenn ihm nicht innerhalb von 30 Minuten etwas einfällt, lässt er es bleiben. Aus dem kleinen Zubrot sind zigtausend Dollar geworden, 2007 wurde Melcarek von InnoCentive als „Problemlöser des Jahres“ ausgezeichnet, und inzwischen ist er tatsächlich Entwicklungschef geworden, nämlich der seines eigenen Unternehmens, Sono-Dyne, Inc.

Abstand als Erfolgsgeheimnis

Eines der Erfolgsgeheimnisse von Crowdsourcing-Projekten ist der Abstand – fachlicher und räumlicher Natur.

Erstens hat Edward Melcarek nur eine schwache Ahnung von Chemie – und doch auf dem Gebiet schon einige schwerwiegende Probleme gelöst. Er wendet seine Fachkenntnisse in Physik und Ingenieurswissenschaften auf Fragen anderer Branchen an – der interdisziplinäre Blick eröffnet zuvor unbeschrittene Wege.

Wenn der Ingenieur seinen Denkhut aufsetzt, könnte er zweitens von einem Nine-to-five-Job im Entwicklungslabor kaum weiter entfernt sein: Wer will ihn schon daran hindern, an den See zu fahren und in der Natur beim Angeln nachzudenken?

Die Freiheit denken zu können, wann, wo und wie sie möchten, inspiriert den Tüftler aus Ontario und seine Berufsgenossen – die modernen Problemlöser für Unternehmen der ersten Liga.

Neben Innocentive sind auch die Intermediäre Hypios und Zukunft Innovation von 3M im Rennen, die eine stets wachsende Anzahl von erfolgreichen Projektabschlüssen verzeichnen.

30.12.2011
 | Themen: Open Innovation
 | Format: Text
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