Welche Innovation bringt uns weiter? Ideen vernünftig beurteilen

Innovationen beurteilen

Angenommen, der Aufruf des Innovationsteams war erfolgreich und es sind zahlreiche Ideen für neue Produkte und Services eingegangen. Dann gilt es jetzt zu entscheiden, welche davon weiterverfolgt und vielleicht sogar realisiert werden. Gerade wenn die Vorschläge von Kollegen stammen, sollten die Auswahlkriterien einwandfrei und der Prozess nachvollziehbar sein. Sonst dürfte die Beteiligungsrate beim nächsten Mal weniger erfreulich sein.

Zum Sortieren und Bewerten zahlreicher Ideen empfiehlt Scott Anthony im Blog der Harvard Business Review, sie zunächst in ein vergleichbares Format zu bringen. Dazu greift er auf einen Tipp aus seinem Buch Innovator‘s Guide to Growth zurück: Eine Powerpoint-Folie (ja, eine!) muss reichen, um die Essenz einer jeden Idee darzustellen.

1.    Ideen in Augenschein nehmen

Welche Ideen lohnen eine nähere Betrachtung? Bei dieser ersten Auswahl hilft eine Kombination aus folgenden Kriterien:

  • Passt das Vorhaben zu unserer Innovationsstrategie?
  • Können wir das Produkt auf den Markt bringen, ohne dass ein technisches Wunder geschehen muss?
  • Können wir auf einem Zettel ausrechnen, was die Idee bringt – und entspricht das unseren Vorstellungen?
  • Gibt es jemanden, der schon mit den Füßen scharrt und dem Projekt Dampf machen wird?

Zu diesem Zeitpunkt aussortierte Vorschläge könnten durchaus später noch einmal eine Rolle spielen. Es kann sinnvoll sein, sie in einem „Ideenspeicher“ (etwa einem Wiki) abzulegen, der allerdings dann auch immer einmal wieder durchforstet werden will.

2.    Schwachstellen suchen

Jetzt wird’s konkret: Was bieten die verbleibenden Ideen in Bezug auf die folgenden Faktoren?

  • Zielgruppe
  • wichtige Akteure
  • grundsätzliche Wirtschaftlichkeitsberechnung
  • Vermarktung
  • Arbeitsprozesse
  • Team
  • Investitionsbedarf
  • Aktionsplan

Wichtig: Hier geht es nicht darum zu beweisen, wie gut die Idee ist, sondern darum, jede noch so kleine Schwachpunkte zu finden. Sprich, bei welchen Annahmen ist die Unsicherheit am größten? Oder, was könnte dem Vorhaben in  die Quere kommen?

3.    Entscheidung für einen Testlauf

Welche Ideen prüfen wir auf ihre wesentlichen Annahmen? Für diesen Schritt schlägt Scott Anthony, Asien Geschäftsführer von Innosight folgende Kriterien vor:

  • Passt die Idee in ein Raster? (Hier verweist der  Innosight Chef auf Checklisten, wie sie seine Unternehmensberatung verwendet und wie er sie in seinem Innovators Guide aufführt.)
  • Können wir Gewinn und Verlust zurückrechnen und damit bestätigen, dass wir mit den zugrundeliegenden (vernünftigen) Annahmen unsere Umsatz und Gewinnziele erreichen?
  • Haben wir ein gutes Konzept für einen Testlauf?

4.    Durchführung des Testlaufs

Für den Testlauf selbst sollte ein eigenes (kleines) Team verantwortlich sein, das keinesfalls für alltägliche Abläufe des Kerngeschäfts zuständig ist. Das hat den Vorteil, dass sie offen für Neues sind und nicht auf alte Gewohnheiten zurückgreifen.

Zwar sollen die Teams Theorien entwickeln, wie mit der Idee Profit zu erwirtschaften ist. Doch sollten sich in dieser frühen Phase die Führungskräfte das Ausgeben von Finanzkennzahlen verkneifen. Denn hier geht es nicht um kurzfristigen Profit, sondern darum, Erfahrungen zu sammeln und etwas zu lernen. Sonst kann es schnell dazu kommen, dass einer echten Wachstumsidee die Luft ausgeht.

5.    Erfahrungen verarbeiten

Nun folgt die Auswertung der Testphase. Eines ist unwahrscheinlich: dass das Entscheidungsgremium einhellig für den sofortigen Produkt-Launch stimmt. Und zum Glück ist das so!

Ein Teil der ursprünglichen Erfolgsannahmen sollte sich unbedingt zerschlagen haben. Andernfalls besteht der Verdacht, dass alles ausgeblendet wurde, was nicht ins Wunschbild passt.

Ein Mix aus qualitativen und quantitativen Kriterien muss nun zeigen, ob sich einerseits die Hauptrisiken bewältigen lassen und wie realistisch andererseits die angenommenen Zahlen sind. Statt „Jawoll, das ist es!“ ist eher mit einer der folgenden Rückmeldungen zu rechnen:

  • Wir kriegen ein Hauptrisiko nicht in den Griff, also stoppen wir das Vorhaben.
  • Die Richtung stimmt, aber die Idee passt noch nicht ganz. Hier ist ein neuer Plan.
  • Der Ansatz stimmt, aber an den Details müssen wir noch schrauben.

Disziplin der Innovation

Für Skeptiker ist Innovation von Zufall und Chaos geprägt. Tatsächlich aber erfordert sie höchste Disziplin. Es ist lediglich ein anderes Verständnis von Disziplin – eines, bei dem es um effektives Lernen und schnelles Ausschließen von Risiken geht.

Hakt es mal irgendwo, hilft es, sich darauf zu besinnen, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen – und ein paar Methoden parat zu haben, die ein differenzierteres Meinungsbild abgeben als die Bitte „Alle, die dafür sind, heben die Hand!“

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